Switch Language

Verena goes re:publica | Teil 2

Verena goes re:publica | Teil 2

by Verena Bischoff, 3. Mai 2016

Hallo zusammen,

hier der zweite Teil meiner re:publica Erlebnisse. Diesmal geht es um einige meiner Lieblingsvorträge, die auch mit den Themen zu tun haben, die uns als Schaltzeit betreffen oder beschäftigen:

Netzneutralität

Prof. Barbara von Schewik hat in ihrem Vortrag „Ist die Netzneutralität in Europa noch zu retten“ anschaulich und einfach den aktuellen Stand zum Thema Netzneutralität in Europa erklärt. Was bedeutet Netzneutralität für Startups und den Mittelstand? Warum sind die Auswirkungen von Daten-Überholspur und Zerorating gleichermaßen negativ auf die Wirtschaft? Kann sich mit ihnen noch wirkliche Innovation entwickeln? Schaut es euch hier an: https://re-publica.de/16/session/netzneutralitat-europa-noch-retten

Für mich hört sich Netzneutralität wichtig an und wert es zu unterstützen. Das Gesetz ist im Europaparlament und – rat verabschiedet, aber die Richtlinien sind noch nicht verabschiedet und hier hat vornehmlich die Netzagentur den Gestaltungsauftrag. Wird sie dies nutzen, um es im Sinne der Netzneutralität zu gestalten? Wer weiß – das wird sich zeigen. Praktisch kann man sich z.B. hier https://savetheinternet.eu/de/  informieren und eine Onlinepetition unterschreiben.

Zukunftsvisionen

Weiter gefiel mir der Vortrag von Mads Pankow sehr gut – gerade weil Zukunft immer unser Thema ist. Er hat sich auf Technikphilosophische und –soziologische Fragen spezialisiert und hielt den Vortrag „Klassenkampf der Roboter – Werden die Produktionsmittel uns enteignen?“ Zur Beruhigung – nein, das werden sie nicht, sagt er. Menschen seien sehr einzigartig, wie sie Information verarbeiten und bewerten. Wir hätten Neuronen, die in unterschiedlicher Stärke feuern, Hormone, die unser Verhalten beeinflussen und somit einen äußerst komplexen Denk- und Entscheidungsprozess steuern. Roboter hingegen haben nur 1 und 0 und könnten nur so viel, wie in ihren Algorithmen steht und diese müssen von Menschen programmiert und kontrolliert werden, damit Konzepte wie Recht und moralische Entscheidungen Anwendung integriert werden.

Und werden die Roboter die Menschen im Arbeitsleben ersetzen? Nein – jedenfalls nicht in allem, ist seine Antwort.  Gesellschaft und Wirtschaft wird sich grundlegend verändern müssen, denn alles was mit Formalisierung und Prozesssteuerung zu tun habe, würden in Zukunft die Roboter übernehmen (adé Sachbearbeiter, ciao Mittelmanagement…). Die Programmierung der Algorithmen und auch Teile der Ausführung der von Robotern organisierten Tätigkeiten würden aber immer noch von Menschen ausgeführt werden müssen. Der Begriff „Gläserne Decke“ werde jedoch eine neue Definition erfahren, nämlich zwischen einfachen menschlichen Befehlsnehmern von Maschinen (ausführender Arbeiter) zum komplexen menschlichen Befehlsgeber an die Maschinen (Programmierer).

Arbeit werde sich von der produzierenden Produktivität lösen und der Begriff Arbeit anders definiert. Um die drohende Schere in der Gesellschaft zu verhindern – werden wir sinnstiftende Tätigkeit in dem Erhalt und Pflege unserer Communities suchen. Das bedingungslose Grundeinkommen sei hier ein plausibles Modell für die Zukunft. Wie das in wirtschaftliche Prozesse umgesetzt werden kann und was mit der bestehenden Wertschöpfungskette passiert, hat er nicht beantwortet.

Immerhin ist diese Zukunftsversion eine derjenigen, die mir bisher am wenigsten horrorartig vorkommt – oder sie war deutlich optimistischer verpackt, als vieles, was ich bis dato gehört habe.

Technologie

Auch Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark digitalisiert – wie ich in dem Vortrag von Daniel Werner zu „Landwirtschaft 4.0“ hörte. Wenn wir jetzt einen Trecker auf dem Feld pflügen sehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrer gerade Däumchen dreht, statt lenkt, sehr wahrscheinlich. GPS gestützt kann die große Maschine bis auf 2 cm genau das Feld pflügen, einsähen oder sogar Feldteile bedarfsbezogen düngen. Nur alleine nach Hause fahren darf der Trecker noch nicht – er wird als Gefahr im Straßenverkehr bzw. für Menschen eingestuft. Das ist letztendlich auch der Grund, warum wirklich autonom fahrende Roboter auf Feldern bislang nicht erlaubt sind und es noch ein langer Weg ist, bis dies außerhalb von Uni-Testverfahren möglich wird.

Den dritten und letzten Teil meiner re:publica-Berichterstattung gibt es hier.